Egal, wohin wir in der Welt schauen, in fast allen Ländern und Kulturen gibt es Sprichwörter und Redensarten, die auf den Zusammenhang von Ernährung und Gesundheit verweisen. Die Engländer*innen empfehlen mit: „An apple a day keeps the doctor away”, täglich Obst zu essen. In Spanien weiß man, dass regelmäßig satt werden zu einem zufriedenen Leben gehört: „Voller Bauch, glückliches Herz.“ In Afrika gilt: „Gesundheit beginnt im Magen“, und in der ayurvedischen Tradition Indiens wird gelehrt: „Wenn die Ernährung falsch ist, hilft keine Medizin; wenn die Ernährung richtig ist, braucht man keine Medizin.“Auch wissenschaftlich ist bewiesen, dass eine gute und ausgewogene Ernährung grundlegend für unsere körperliche Gesundheit und unser mentales Wohlbefinden ist. Doch wie einfach ist es, sich gesund zu ernähren? Wie kommen wir im Alltag an qualitativ hochwertige Lebensmittel bei all den Fast-Food-Läden in der Nachbarschaft und den vielen hochverarbeiteten Fertigprodukten im Supermarkt? Und kann sich eigentlich jeder Mensch drei ausgewogene Mahlzeiten am Tag leisten? Kurz, wie gerecht sind die Zugangsmöglichkeiten zu gutem Essen in unserer Gesellschaft verteilt?
Ran an’s Gemüse! - Gemeinschaftsgärten fördern Ernährungsgerechtigkeit
Über solche und ähnliche Fragen tauschten sich letzte Woche verschiedenen Akteur*innen im Rollberg aus. Das Team von „Urban Agriculture for Hospitality and Inclusivity“, einem EU-Projekt, das sich mit der Frage beschäftigt, wie Gemeinschaftsgärten und andere Formen urbaner Landwirtschaft ihre Mitmach-Angebote gestalten müssen, damit alle Gruppen der Stadtgesellschaft eine Chance haben, sie wahrnehmen zu können, war zu Besuch im Rollberger Gemeinschaftsgarten. Gemeinschaftsgärten interessieren das Forschungsteam besonders, da sie offene Orte sind, wo Obst, Gemüse und Kräuter quasi direkt neben der Haustür angebaut, geerntet und oft auch bei gemeinsamen Kochaktionen verarbeitet werden – und das mitten in der Stadt! So können Menschen in der Nachbarschaft auf ganz einfache und alltagstaugliche Weise direkten Zugang zu hochwertigen und ökologisch nachhaltig produzierten Lebensmitteln bekommen, die wiederum Grundlage für eine gesunde Ernährung sind. Gemeinschaftsgärten können somit als ein Lösungsansatz für mehr Ernährungsgerechtigkeit in der Stadt bewertet werden – auch weil ihre Angebote meist kostenlos sind und offen für jede*n sind, der mitmachen möchte. Gemeinsam mit dem Rollberger Gartenteam, dem Berliner Ernährungsrat und dem QM wurde – natürlich bei einem leckeren Picknick – über verschiedene Beteiligungsmöglichkeiten vor Ort gesprochen und welche Gruppen in der Nachbarschaft diese nutzen bzw. nicht nutzen können.
Essen is‘ fertig! - Wie kocht und isst der Kiez?
Auch der Berliner Ernährungsrat beschäftigt sich seit Jahren mit der Frage, wie es gelingen kann, für jeden Menschen eine ausreichende und gesunde Ernährung zu gewährleisten und welche politische Rahmensetzung es dafür braucht. Zu diesem Zweck erforscht der Ernährungsrat aktuell zusammen mit der Humboldt Universität im Projekt „Food CLIC“, wie die Rollberger*innen sich ernähren und welche Hürden ihnen dabei begegnen können: Was schmeckt dem Kiez? Besteht ein Bewusstsein über die Zusammenhänge von ausgewogener Ernährung und Gesundheit? Wie leicht fällt es den Menschen hier, sich gesund ernähren? Was hindert sie vielleicht daran? Aktuell läuft zu diesen Fragen online eine Umfrage, für die noch Teilnehmende gesucht werden. Ziel der Umfrage ist es, umfassende Daten über die Ernährungssituation im Kiez zu sammeln und zu prüfen, ob es für die Menschen hier überhaupt machbar ist, sich gesund zu ernähren und damit ihre Gesundheit zu fördern, oder ob Formen von sogenannter Ernährungsarmut Teil des Alltags vieler Neuköllner*innen sind.
Kiez-Gemüse für alle! – Komm vorbei und mach mit
Wenn auch du Lust hast, dir und deiner Gesundheit etwas Gutes zu tun und frisches Gemüse, das ohne Chemie, aber mit viel Liebe angebaut wird, dabei eine wichtige Rolle spielen könnte, dann komm vorbei im Rollberger Gemeinschaftsgarten. Zweimal die Woche findet dort der offene Gartentag für alle statt:
- Dienstag: 15-18 Uhr
- Freitag: 10-12 Uhr
→ in der Roland-Krüger-Str. 6
Und wenn man die geernteten Köstlichkeiten im Anschluss gemeinsam zu einem leckeren Essen weiterverarbeitet, das man zusammen genießen kann, erlebt man ganz nebenbei einen weiteren gesundheitsfördernden Aspekt von Essen. Denn auch die soziale Komponente eines gemeinsamen Essens wirkt sich positiv auf uns aus. So sagt ein arabisches Sprichwort: „Wo man zusammen isst, streitet man nicht.“ In China „lernt man einen Menschen erst richtig kennen, wenn man mit ihm gegessen hat“ und in Afrika weiß man: „Wer zusammen isst, gehört zusammen.“ Dann mal guten Appetit!
Das Projekt „Wachsen lassen - Gemeinschaftlich gärtnern im Rollberg“ wird finanziert mit Mitteln aus dem Programm „Sozialer Zusammenhalt“.
Text: QM Rollberg, Bildmaterial: Nomadisch Grün gGmbH, Ernährungsrat Berlin e. V.


















