Es war ein schöner Zufall, der Nuhat zum Rollberger Gemeinschaftsgarten brachte. In einer Elterngruppe der Regenbogenschule, die ihr Sohn noch bis zu den Sommerferien besuchte, wurde Unterstützung für eine Garten-AG gesucht – Nuhat meldete sich unmittelbar an. Vor Jahren hatte sie bereits selbst einen eigenen Kleingarten, für den sie sich erstes Wissen angeeignet und in der Praxis erprobt hatte. Diese Erfahrungen bringt sie heute als fester Bestandteil in das Projekt ‚Rollberg Paradise‘ ein, das in der Zusammenarbeit zwischen dem Prinzessinnengarten-Kollektiv und engagierten Anwohnenden zu einer grünen Oase erblühen konnte.
Hier, inmitten des Rollbergkiezes, zwischen meterhohen Maispflanzen, liebevoll zusammengestellten Tomatensorten und duftenden Basilikumpflanzen, findet Nuhat nicht nur Ruhe, sondern auch das Gefühl von gelebter Gemeinschaft.
Wir haben die Rollbergerin während ihres wöchentlichen Gartentags besucht, um mit ihr über ihre Begeisterung für das Gärtnern, die positiven Auswirkungen des Gartens auf ihr Leben sowie Tipps für Interessierte zu sprechen.
Wenn du an den Gemeinschaftsgarten denkst, welche drei Worte kommen dir spontan in den Kopf?
Natur, Erholung, Paradies.
Und wie viel Zeit verbringst du hier? Was sind deine Aufgabenbereiche?
Das ist ganz unterschiedlich. Manchmal komme ich an einem Tag mehrere Male her, an anderen Tagen dafür gar nicht. Ich komme meist spontan vorbei, wenn kein Kind zu Hause ist. Wenn es viel zu tun gibt, so wie heute zum Beispiel, bin ich locker drei, vier Stunden hier. Dann gieße ich, lockere Erde auf, binde Pflanzen hoch, entferne abgestorbene Blätter. Außerdem habe ich zwei eigene Beete, um die ich mich kümmere. Ich bin überall. Aber die Arbeit fängt schon viel früher an: Im Januar säe ich bereits Samen in meinem Wintergarten aus. Manchmal retten wir auch Pflanzen. Durch das Prinzessengarten-Kollektiv, das in diesem Jahr dazugekommen ist, haben wir mehr Beete bekommen, was mit mehr Arbeit einhergeht - aber wir machen es ja gerne, deshalb vergesse ich oft die Zeit hier.
Der Garten ist also ein fester Teil deines Alltags geworden; was macht ihn für dich so besonders?
Ich komme hier einfach absolut zur Ruhe, er ist ein Rückzugsort für mich. Abgesehen von der Zeit, wenn hier gemeinschaftlich gearbeitet wird, komme ich gern in den Abendstunden vorbei, um mich auszuruhen vom Alltag. Manchmal schnappe ich meine Kinder und wir essen hier zusammen. Auch wenn es mir nicht so gut geht, komme ich her. Es ist wirklich ein Paradies für mich, du bekommst von der Außenwelt nichts mehr mit – und das mitten im Zentrum von Berlin, mitten im Rollbergkiez.
Welche anderen positiven Auswirkungen hat der Garten auf dein Leben?
Zum Beispiel habe ich meine Nachbarin Claudia hier getroffen. Wir wohnen zwar seit 30 Jahren im selben Kiez, aber kannten uns vorher nicht. Hier im Garten kommt man ins Gespräch, lernt sich kennen. Das war für mich ein sehr wichtiger Punkt: Anwohnende kennenlernen und Erfahrungen austauschen. Menschen begegnen, sich gesund fühlen, vielleicht auch gesund werden, superfrisches Gemüse ernten.
Das muss schön sein, die unterschiedlichsten Menschen aus der Nachbarschaft hier zu treffen. Was schätzt du an den Personen, die hier aktiv sind, am meisten?
Dass sie Respekt vor der Natur haben, so wie ich. Ich kenne jede Pflanze, die ich hier in der Hand habe. Wenn sie etwas zum Ernten liefert, dann danke ich ihr, das ist ja nicht selbstverständlich. Alles, was uns hier umgibt, sind Lebewesen, mit denen du reden musst. Die Menschen hier behandeln ihre Umgebung gut, sorgen und kümmern sich. Wir haben auch ganz viele Tiere hier, zum Beispiel Eulen. Ich würde sagen, dass wir auf jeden Fall ein starkes Gemeinschaftsgefühl haben, wir machen alles zusammen, teilen alles. Jede Person wird hier freundlich empfangen und Menschen, wie beispielsweise Tom, erklären dir alles mit einer riesigen Geduld, stehen für jede*n bereit.
Und was für Gemüse hast du hier bereits angebaut und geerntet?
Jede Menge! Gurken, Tomaten, bestimmt über dreißig Sorten. Auberginen haben wir, weiße, schwarze, lilafarbene. Viele Paprikasorten. Peperoni, scharfe, nicht scharfe, runde, rote, grüne, gelbe. Zucchini, Blumenkohl, Brokkoli. Grüne Zwiebeln, ganz viel Minze, sehr viel Kürbis dieses Jahr. Sauerampfer, Thai-Basilikum, Bohnen, Maulbeeren, Feigen, Mais, unterschiedliche Kohlsorten. Kräuter: Oregano, Thymian, Bohnenkraut, Petersilie. Vor allem unsere Tomaten sind so süß! Es reicht schon, wenn man sie sich einfach nur anschaut, die waren Babys zu Hause!
Beeinflusst der Garten auch deine Ernährungsweise, deine Einkäufe und deine Art zu kochen?
Auf jeden Fall! Wenn du Lebensmittel von hier mitnimmst und kochst, schmeckt das ganz anders, als wenn du im Supermarkt etwas kaufst – auch, weil ich weiß, dass wir hier nicht spritzen und wirklich alles Natur pur ist. Vergleich einfach nur die Gurken, die riechen richtig nach Gurken! Diesen Geruch bekommst du sonst nicht in die Nase. Es ist zwar nicht so, dass wir hier ständig riesige Ernteerträge haben, aber trotzdem kaufe ich mit meinem neuen Wissen bewusster ein.
Wem würdest du raten, sich in diesem Gemeinschaftsgarten einzubringen?
Menschen, die Natur lieben. Menschen, die einsam sind. Wenn du im Garten bist, kannst du dich mit allen Menschen und Pflanzen hier unterhalten. Hier zu sein, hilft gegen die Einsamkeit, gegen Schmerzen, gegen psychische Erkrankungen, finde ich. Und natürlich Menschen, die wirklich mitarbeiten wollen und nicht nur für die Ernte kommen - man muss auch die Arbeit von anderen respektieren.
Und wenn eine Person gerne mitmachen möchte, wie läuft das dann ab?
Wir haben bestimmte Gartentage, zu denen alle interessierten Menschen kommen können. Bis Ende September findet noch mein Gartentag statt, jeden Freitag von 10 bis 12 Uhr in der Roland-Krüger-Straße 6. Das Prinzessengarten-Kollektiv hat ihren immer dienstags, zwischen 15 und 18 Uhr. Einfach reinkommen und fragen: „Was macht ihr? Wir möchten mitmachen!“ Den Rest zeigen wir euch dann!
Das Projekt „Wachsen lassen – Gemeinschaftlich Gärtnern im Rollberg“ wird finanziert mit Mitteln aus dem Programm „Sozialer Zusammenhalt“.
Text und Bilder: QM Rollbergsiedlung, August 2025

















