Am 12. Februar 2026 fand im Nachbarschaftshaus am Körnerpark die Konferenz „Weniger Müll in Neukölln – Wie schaffen wir das?“ statt. Es kamen Vertreter*innen aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft und Zivilgesellschaft im Nachbarschaftshaus am Körnerpark zusammen, um über Lösungen für das Müllproblem in Neukölln zu diskutieren. Ziel der Konferenz war es, konkrete Maßnahmen zu entwickeln, Verantwortlichkeiten zu klären und neue Ansätze für mehr Sauberkeit im Kiez zu finden. Im Mittelpunkt standen drei Leitfragen: Was können Politik und Zivilgesellschaft konkret tun? Wie können Kommunikation und Vernetzung verbessert werden? Welche Maßnahmen funktionieren nachweislich?
Wir fassen die Ergebnisse für euch zusammen und zeigen: Es gibt verschiedene Ansätzen, die wirken könnten.
Die Diskussionen und Workshops haben gezeigt, dass es sowohl strukturelle Veränderungen als auch mehr gemeinschaftliches Engagement braucht. Ein zentrales Thema war die Frage, was die Politik und was die Verwaltung verbessern könnten. Viele Teilnehmende sahen hier großen Handlungsbedarf. Diskutiert wurden unter anderem:
- Einrichtung einer zentralen Ansprechperson für Müllthemen im Bezirk
- Aufbau eines Notfall-Teams für akute Müllprobleme
- mehr Personal bei Stadtreinigung und Ordnungsamt
- gezielte Reinigung von bekannten Müll-Hotspots
- bessere Finanzierung von Projekten zur Stadtsauberkeit
Auch die Infrastruktur soll verbessert werden. Dazu gehören:
- mehr und größere Mülleimer im öffentlichen Raum
- regelmäßige Sperrmüllangebote z. B. monatliche Abholung gegen kleine Gebür oder jährliche kostenlose Sperrmüllabholung bei Privathaushalten
- Verbesserungen bei der Ordnungsamt-App, insbesondere bei der Zuverlässigkeit von Meldungen
- mehr Handreinigung auf Grünstreifen und schmutzigen Ecken
- Personal aufstocken und Begehungen der Kieze mit großen Reinigungstrupps
- regelmäßig „Müll-Hotspots“ identifizieren und abarbeiten
Neben der Beseitigung von Müll ging es auch darum, wie Müll gar nicht erst entsteht. Wichtige Ansätze sind:
- Förderung und Belohnung von Mehrwegsystemen
- Verpflichtungen für „To-Go“-Angebote zur Nutzung von Mehrweg
- Einführung möglicher Gebühren auf Einwegverpackungen
- Ausbau und Vereinfachung von Pfand- und Rücknahmesystemen
Ergänzend wurde betont, dass es mehr Angebote für Reparatur, Tausch und Wiederverwendung braucht. Hierfür braucht es frühzeitige und langfristig angelegte Bildungs- und Sensibilisierungsmaßnahmen. Die Teilnehmenden sprachen sich dafür aus:
- Müllvermeidung stärker in Schulen zu verankern und verpflichtent im Bildungsauftrag festlegen
- mehr finanzierte Informations- und Aufklärungskampagnen umzusetzen
- gezielt auf Themen wie Verpackungsmüll, Zigarettenstummel und Sperrmüll einzugehen
- junge Menschen frühzeitig einzubeziehen und anzusprechen
Neben freiwilligem Engagement wurden auch strengere Regeln diskutiert. Dabei ging es vor allem um eine konsequentere Umsetzung bestehender Vorgaben. Genannt wurden unter anderem:
- höhere Bußgelder und strengere Kontrollen
- mehr Verantwortung für Gewerbetreibende und Hauseigentümer*innen
- Prüfung weiterer gesetzlicher Maßnahmen, etwa bei Einwegprodukten
Gleichzeitig wurde betont, dass solche Maßnahmen nur mit ausreichend Personal wirksam umgesetzt werden können. Gleichzeitig hat die Konferenz deutlich gemacht, wie wichtig das Engagement von Bürger*innen in den Kiezen. Viele Ideen zielten darauf ab, dieses zu stärken und sichtbarer zu machen.
Dazu gehören:
- regelmäßige Kiezputz-Aktionen initiieren
- Mülleimer-Patenschaften koordinieren
- gemeinsame Aktionstage im Kiez fördern
- mehr Anerkennung und Dank für für ehrenamtliche Kiezputz-Aktionen
- Ernennung eines*einer Kehrbeauftragten für jedes Haus, Gewerbe, Schulen etc., die die Ausstattung vom Bezirk gestellt bekommen
- gemeinsame Putzaktionen mit dem Quartiersmanagement sowie verschiedene Formate, bspw. Diskussionsrunden und Workshops fördern
Auch größere Formate wie ein bezirksweiter Aktionstag oder ein Kiezfest wurden als Möglichkeiten genannt, um mehr Menschen zu erreichen. Man könnte beispielsweise auch einmal pro Jahr ein Kiezfest zum Dank an die BSR-Angestellten organisieren um deren wichtige Arbeit wertzuschätzen. Wichtig hierbei zu bedenken ist es: Gute Ideen wirken nur, wenn sie auch die Menschen erreichen.
Deshalb wurde vorgeschlagen:
- Informationen verständlicher, mehrsprachig und zugänglicher zu machen
- digitale und analoge Wege stärker zu kombinieren
- Belohnungssysteme für Müllvermeidung schaffen
- Straßenputzaktionen mit Prämierung beim Kiezfest
- Aktionen, bei denen überall zur gleichen Zeit vor der Tür gekehrt wird
- mehr Aufklärung und aktive Beteiligung der lokalen Geschäfte
- Schulen bei der Bildungsarbeit unterstützen und in Kiezprojekte und -aktionen aktiv einbinden
- WhatsApp-Gruppen für Wohnhäuser und Nachbarschaften nutzen, um sich gegenseitig zu informieren und mit den Nachbar*innen gemeinschaftliche Aktionen und Projekte zur Müllbeseitigung, zum Tauschen, Upcyclen und weitere Pläne für das direkte Wohnumfeld zu schmieden
- Weitere lokale Akteure wie Hausverwaltungen und Gewerbetreibende einbinden
Die Wissenschaft sagt dazu:
Wenn es um Müllvermeidung und -beseitigung geht, sollte zunächst geklärt werden, wo sich überhaupt Müll ansammelt und um was für Arten von Müll es sich dabei handelt. Insofern ist die Meldung jedes Einzelnen bei der Ordnungsamt-App wichtig. Denn, hat man hierzu gesicherte Daten, kann man fragen, wer verantwortlich ist – zum Beispiel die Hersteller*innen und die Industrie, die zu viele Verpackungen produzieren, oder die Konsument*innen und Nutzer*innen, die sie wegwerfen. Es hilft allerdings wenig, den Problemen vor Ort mit erhobenem Zeigefinger zu begegnen oder den Anwohner*innen die Schuld zuzuweisen. Stattdessen sollten Ansätze wie die Einführung einer Einwegsteuer und eine Mehrwegsteuerpflicht geprüft werden. Außerdem hilft es oft, das Verhalten von Zielgruppen durch Anreize (man spricht hier von Nudging=Anstubsen) zu steuern und die Infrastruktur (Müllplätze, tiersichere Mülleimer etc.) zu verbessern.
Fazit und Wie geht es weiter?
Die Konferenz hat gezeigt: Es gibt viele konkrete Ansätze für ein saubereres Neukölln. Entscheidend wird sein, diese Ideen gemeinsam weiterzuentwickeln und umzusetzen – durch Politik, Verwaltung und die Menschen im Kiez. Die Ergebnisse der Konferenz werden nun weiter geprüft. Geplant ist, die Vorschläge mit den zuständigen Stellen abzustimmen und zu klären:
- Welche Maßnahmen bereits existieren
- Was konkret umgesetzt werden kann
- Wo Hindernisse bestehen
Die Ergebnisse sollen in einer Folgeveranstaltung vorgestellt und weiter diskutiert werden. Wir werden über den Termin berichten.
Text: H. Heiland, 08.04.2026
Bild: BSR








Sperrmüll nachts heimlich rausstellen und hoffen, dass es niemand merkt? Schlechte Idee! Wer sein altes Zeug auf dem Gehweg ablädt, zahlt in Berlin ab sofort richtig drauf. Der Senat hat die Bußgelder für illegale Müllentsorgung drastisch erhöht:







